Warum Unterricht?
Musizieren macht Spaß. Das ist
wichtig und Punkt eins. Aber das ist selbstverständlich nur einer von
vielen Faktoren, die besonders das Klavierspiel zu einer sinnvollen
Beschäftigung machen. Inzwischen ist eindeutig und zweifelsfrei
wissenschaftlich erwiesen, wie sich das Klavierspiel beispielsweise auf
die kindliche Entwicklung auswirkt.
Da sich aber bereits eine Menge
kompetenter Köpfe zu diesem Thema geäußert haben, gebe ich im folgenden
einen Text wieder, auf den ich beim Bund der
Klavierbauer e.V. gestossen bin. Mit freundlicher Genehmigung
durch Herrn Enzenauer vom "Lehrgut - Arbeitskreis
Instrumantalpädagogik"
Wem der Text zu lang ist, um ihn am
Bildschirm komplett zu lesen, der kann ihn sich zum ausdrucken hier als
(Original-) PDF-Datei runterladen:
Warum Klavier spielen?! (PDF)
Für alle andern hier der wörtlich aus dieser Datei zitierte Text:
(keine Gewähr für Fehler!)
ZITAT:
"Liebe
Leserin, lieber Leser, die vorliegenden Beiträge und Zitate
möchten einen kurzen Überblick über das breite
Spektrum geben, in dem Klavier- und Musikunterricht seine fördernde
Wirkung entfaltet. [...]
Bereicherung
der Lebensqualität
Musik
ist künstlerischer Ausdruck menschlichen Seins.
Sie
ist Sprache und fordert zum Kontakt, zur Kommunikation auf.
Wie jede Sprache hat sie ihre Grammatik
und ihre Vokabeln, die man um so sicherer beherrscht,
je früher man sie erlernt. Jede Reaktion des Musizierenden
ruft eine Reaktion Hörender hervor. Kinder
erfahren das oft wie eine Zauberkraft, weil sie plötzlich
Interesse und Zuspruch erfahren. Bis ins hohe Alter
fördert ein erlerntes Instrument die Geselligkeit und
anregende Bekanntschaften. Das
Klavier, das in seiner Vielstimmigkeit allein gespielt werden
kann, regt besonders zu Kreativität und weiterem
Verständnis der Musiksprache an. Auf ihm
kann
in allen Stilrichtungen musiziert, einfache und komplexe
Werke gespielt, solistisch oder begleitend musiziert
werden.
(Dr.
Linde Tiesbrummel, Ärztin, Odenthal)
Wirkung
auf das Gehirn aus
medizinischer
Sicht
Durch
Klavierspielen - insbesondere bereits in der Kindheit
- werden feinmotorische Fähigkeiten und die neuronalen
Vernetzungen im Gehirn deutlich verstärkt.
Die
erhöhte Vernetzung zeigt sich in einer messbaren Steigerung
der Intelligenz. Klavier spielen fördert außerdem
die Vernetzung der linken und rechten Hirnhälften
und bewirkt somit eine bessere Verknüpfung von
Klang- und Rhythmusempfinden. Erfahrungsgemäß geht
damit ein verbessertes Zusammenspiel von
Intuition und Analyse bzw Gefühl und Ratio
einher. Grundsätzlich aktiviert schöne Musik Zentren
im Gehirn, die glücklich machen und stimuliert das
körpereigene Selbstbelohnungssystem.
(Dr.
Hans-Hermann Winter, Neurologe, Leverkusen)
Entwicklung
von Intelligenz und
Kompetenz
besonders bei Schülern
Erst
die Gesamtheit aller Teilintelligenzen macht das ganze
Spektrum der menschlichen Fähigkeiten aus. Es ist
also sehr sinnvoll, die Gesamtheit der Teilintelligenzen zu
fördern. Das Musizieren stellt vielfältige Beziehung
unter diesen Teilintelligenzen her. Musizieren ist
eine integrierende Tätigkeit, die Verstand, Gefühle und
Körper verbindet. Praktischer Musikunterrichtentwickelt
daher die ganzheitliche Persönlichkeit.
Folglich
geht es beim Musikunterricht nicht allein um Musik,
sondern auch um die Nebenwirkungen wie affektive,
kognitive, soziale Entwicklung und Intelligenz. Praktischer
Musikunterricht verbessert die Konzentrationsfähigkeit, erhöht
die emotionale Stabilität und die
soziale Kompetenz und steigert die Schulleistungen insgesamt.
Damit ist klar, wie dringend wir praktischen Musikunterricht
für eine ganzheitliche Bildung des Menschen
brauchen. Martin Luther sagte: „Musica ist eine
Disziplin …, so die Leute gelinder, sanftmütiger,
sittsamer
und vernünftiger macht.“
(Wolfhagen
Sobirey, Direktor der Staatlichen
Jugendmusikschule
Hamburg)
Nutzen
für die emotionale Stabilität
besonders
von Jugendlichen
Neben
dem allgemeinen medizinischen Nutzen bietet das
Klavierspiel insbesondere für Jugendliche positive Entwicklungspotentiale.
Musik bietet für Jugendliche grundsätzlich
die Möglichkeit zur persönlichen Identifikation
und Gruppenbildung. Gemeinsames
Musizieren senkt bei männlichen Jugendlichen
nachweisbar die Konzentration des Ag-gressionshormons.
Die
Produktion der Hormone, die soziale
Bindungen fördern, wird deutlich erhöht.
(Dr.
Hans-Hermann Winter, Neurologe, Leverkusen)
Erfolge
aus medizinischer Sicht besonders
für
Erwachsene und Senioren
Klavierspielen
ist ein ideales Mittel, um krank-machenden Streß
abzubauen. Wie neuere neuro-physiologische Untersuchungen
zeigen, wirkt sich die Motorik
des Klavierspielens positiv auf die vegetativen Funktionen
unseres Körpers aus, wie z.B. Gedächtnis, Konzentration,
Kombinationsvermögen etc. Gerontologische Untersuchungen
belegen, dass das aktive Musizieren,
insbesondere das Klavierspiel, die Funktion eines
Gehirnjoggings bekommen kann. Dies gilt für jüngere
wie ältere Menschen. Es ist nie zu spät, das Klavierspielen
zu erlernen. Verloren gegangene motorische
Fähigkeiten können durch gezieltes Üben wiedererlangt
werden, was sich positiv auf die genannten Gehirnfunktionen
auswirkt.
(Prof. Dr. Hermann Rauhe, aus: Faszination Klavier,
Wer
Klavier spielt, hat mehr vom Leben)
Bedeutung
für Zuhörer
Der
erfahrene Hörer hört nicht allein die einzelnen
Töne,
sondern nimmt musikalische Strukturen wie Rhythmen,
Melodien, Harmonien und Formen wahr. Um
diese Strukturen zu erfassen und sinnvoll zu ordnen, bedarf
es geistiger Arbeit, für die viele Gehirnareale gleichzeitig
beansprucht werden. Gesteuert wird das Zusammenspiel
der Areale durch die Frontlappen. Sie bilden
eine Kontrollinstanz, eine höhere Hierarchie-ebene, die
für Eigenschaften wie Planung, Anstrengung, Disziplin
und Willen mit verantwortlich ist. Auf diese
Weise ist das Hören auf hohem Niveau geistig fordernd
und fördernd. Insbesondere wird das Kurzzeitgedächtnis
und die Aufmerksamkeit trainiert. Das
Hören auf hohem Niveau, also das Hören komplexer
Musik - nicht der reinen Unterhaltungsmusik -
kann damit anstrengen, aber es schafft letztendlich durch
das Erfassen tiefer Strukturen und Sinnzusammenhänge Bestätigung,
Freude und auch Spaß.
(Siehe:
Robert Jourdain, Das wohltemperierte Gehirn)
Nutzen
des Klavierspielens und des
Musizierens
im Rahmen der Therapie
Die
Musiktherapie wird oft durch das Klavier bereichert. Über
Musik ist eine Kommunikation mit Menschen möglich,
die keine andere Ausdrucksmöglichkeit haben.
Sie ist heilpädagogisches Element bei geistig Behinderten
und kann den Umfang von Entwicklung beientwicklungsverzögerten
Kindern positiv beeinflussen. Durch
aktives Musizieren am Klavier werden neue kreative
Fähigkeiten erlangt. Es
wird die Koordination zwischen Auge und Hand mit
der Wahrnehmung im musikalischen Dialog verbunden.
(Dr.
med. Edith Schnack, Bochum)
[...]
Idee
und Realisierung
Jan
Enzenauer, 51399 Burscheid
2003"
Zitat Ende